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  • © Kathrin Hinneburg-Heiwolt

Tag der offenen Tür

Und es wurde Sommer – mitten im April! Mehr als tausend Hamburger zog es allerdings nicht an Elbe, Ostsee oder zur Grillparty in den Stadtpark, sondern zur Staatlichen Jugendmusikschule am Hamburger Mittelweg. Eines vorweg: Der „Tag der offenen Tür“ dort wurde ein großartiges Fest in Dur und Moll. Aufgeregte Kinder flitzten durch die Räume im Michael-Otto-Haus, des Miralles Saals und von Haus 2. Ob Rock oder Klassik, Jazz oder Pop – überall zogen die kleinen Künstler das Publikum in ihren Bann und brachten Papi und Mami an einem äußerst bemerkenswerten Nachmittag nicht nur die Flötentöne bei.

Professor Guido Müller, Dieter Mösler (MSV), Yvonne Trübger, Kai Jensen (MSV) und Winfried Stegmann (pädagogischer Leiter der JMS) bei der feierlichen Übergabe des Klavieres von Pianohaus Trübger Foto: Hanna Karstens

Schon das Eröffnungskonzert sorgte für Beifall und Begeisterung. Gut 30 Jungen und Mädchen ließen die Besucher vor dem Haupteingang grooven. Eine Bläser-Formation mit Posaunen, Trompeten und Saxofonen intonierte mit einer Gruppe von Perkussionisten südamerikanische Melodien und Rhythmen. Samba war angesagt – und wie. Die Big Band brachte ihr Publikum sehr schnell auf die richtige Betriebstemperatur. 

Und weiter ging es im schnellen Takt des Nachmittages. Nur eine kleine Auswahl der Angebote, die ab 15 Uhr auf die Musikfreunde warteten: Akkordeon, Cello, Gitarre, Blockflöte, Fagott, Harfe, Horn, Klarinette, Klavier, Keyboard, Oboe, Posaune, Querflöte, Saxofon, Schlagzeug und Trompete schallten durch die Gänge. Mehr als 50 Musiklehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler warben um Nachwuchs für ihr Instrument. 

Der zehnjährige Ferdinand hatte sich ziemlich schnell entschieden. „Für unser Klassenorchester in der Schule brauchen wir noch Trompeten“, verkündete der Buttje. Musikalisches Talent dürfte jedenfalls vorhanden sein. Ferdinand verkündet ziemlich stolz: „Mein Vater spielt Gitarre.“ Das tut Wolfgang Jüptner auch – und wie. Locker in Jeans und T-Shirt und mit ausgesprochen guter Laune warb er in seinem Workshop „E-Gitarre für Anfänger“ für baldige „Saiten“-Sprünge der Interessierten. Und davon gab es an diesem Tag wirklich genügend. Ganz vorne in der ersten Reihe mit dabei: Der achtjährige Jendrik, der reichlich von der nötigen Begeisterung mitbrachte: „Das geht ja richtig ab. Ich lerne auch schon in einem Kurs an meiner Schule Gitarre.“ Und wohl sehr bald ebenfalls an der Jugendmusikschule am Mittelweg. Denn, so Jendrik entschlossen: „Ich will Rockgitarrist werden.“ Die siebenjährige Anna gab ihm eindeutig recht: „Gitarre ist soooooo toll.“ Noch nicht genau in die Karten gucken ließ sich dagegen der vierjährige Leo: „Ich will mal Schlagzeuger werden – oder Geige spielen.“
Da bahnt sich ganz offensichtlich eine ziemlich vielversprechende Kombination aus Klassik und Pop an.

Ein ganz großes Herz speziell für Kinder aus sozial schwächeren Familien zeigte an diesem Nachmittag übrigens Yvonne Trübger, die Besitzerin des Pianohaus Trübger. In einer gelungenen Zeremonie im Rahmen des Abschlusskonzertes spendete die Unternehmerin für den Förderverein der Musikschule ein hochwertiges Klavier. Gegen eine vergleichsweise sehr geringe Gebühr können die Eltern von Nachwuchs-Pianisten auch solche teuren Instrumente vom Förderverein mieten. Diese Art von „sozialer Gerechtigkeit an der Tastatur“ kam nicht nur bei den Verantwortlichen äußerst gut an. Winfried Stegmann, pädagogischer Leiter der Musikschule: „Für dieses Geschenk sind wir Frau Trübger sehr dankbar. Eine großartige Geste.“ 

Und ein Geschenk war dieser Nachmittag für alle Gäste und Mitwirkenden ebenfalls. Professor Guido Müller, Direktor der Staatlichen Jugendmusikschule: „Einfach ein sensationeller Tag!“ Winfried Stegmann dokumentiert die enorm steigende Beliebtheit dieser Einrichtung: „Wie und in welchem Tempo wir uns entwickeln, ist schon beeindruckend. Mehr als 22.000 Schüler musizieren an einem unserer mehr als 150 Standorte in Hamburg. Allein in den letzten drei, vier Jahren hatten wir einen Zuwachs von mehr als 3.000 Schülern. Dabei gilt unser Dank ganz besonders der Stadt Hamburg, die uns großzügig unterstützt. Schulsenator Ties Rabe hat immer ein offenes Ohr für unsere Probleme.“ 

Ein verbaler Schlussakkord, der es auf den Punkt brachte. Denn auch dies ist äußerst bemerkenswert: Die Arbeit der Staatlichen Jugendmusikschule in Hamburg gilt inzwischen deutschlandweit als vorbildlich. „Musik ist mein Leben, in ihr spiegelt sich meine Seele. Sie transportiert meine Gefühle, meine Freude, mein Glück, aber auch meine Ängste und Sorgen. Musik ist mein Leben“, sagte der große Gitarrist Eric Clapton einmal. Welch schöneren Weg kann es für unsere Kinder ins Leben geben. Die Staatliche Jugendmusikschule Hamburg ist auf diesem Pfad auf alle Fälle ein vorbildlicher und sehr sicherer Kompass.

Dirk Andresen

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  • Instrumente ausprobieren Foto: Bo Lahola
  • Instrumente ausprobieren Foto: Hanna Karstens