• © Hanna Karstens

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  • © Kathrin Hinneburg-Heiwolt

Ferienkurs „Planet Future“

„Weißt du, ich wünsche mir, dass wir uns in der Zukunft alle – wirklich alle – gegenseitig verstehen.“

Die Staatliche Jugendmusikschule Hamburg und die Hochschule für Musik und Theater Hamburg kooperieren seit langem in vielen Bereichen. Im Rahmen von Fortbildungen zu interkultureller Musikpädagogik für die Lehrkräfte der Jugendmusikschule kam der Kontakt zu der Weiterbildung International Music Education und deren Leiter, Alexander Riedmüller zustande. Daraus entwickelten sich im Herbst 2018 Pläne für gemeinsame interkulturelle Projekte. Dazu passte die Ausschreibung der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung, die zur Ideeninitiative kulturelle Vielfalt mit Musik aufgerufen und ausgewählten Projekten eine großzügige Förderung in Aussicht gestellt hat. 

Wir haben gemeinsam in einem Dozententeam von Jugendmusikschule und Musikhochschule das Konzept Planet Future erarbeitet und konnten damit die Jury der Stiftung überzeugen:

„Ein neuer Planet wird entdeckt. Junge Menschen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen machen sich auf den Weg, mit Tanz, Musik, Singen und Theater eine neue, gemeinsame Welt zu erschaffen. Kommt mit auf die Reise und lasst Euch überraschen! Ihr kommt mit eurer Musik, euren Moves, euren Songs, euren Instrumenten oder einfach nur mit eurer Lust und Neugierde, um dabei zu sein und mitzumachen.“ 

Mit einem dreisprachigen Flyer (deutsch, englisch, arabisch) wurde das Projekt beworben. Das Konzept, Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren aus vielen Ländern und Kulturen anzusprechen, ist aufgegangen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus neun verschiedenen Nationen: Afghanistan, Armenien, Deutschland, Ghana, Guinea, Iran, Kolumbien, Syrien und Türkei.

Der Ferienkurs ging über fünf Tage vom 11.-15.3.2019, jeweils von 10-15 Uhr, mit einer gemeinsamen warmen Mahlzeit in der Mittagspause. Die Tage begannen jeweils mit einem Warm-up für alle Beteiligten mit Bodypercussion, Tanz und Spielen zum Kennenlernen. Danach ging es in die verschiedenen Workshops: Tanztheater, Band, Percussion, Soundpainting und Multimedia. Es waren keine Vorkenntnisse gefordert, entsprechend heterogen waren die Gruppen: Einige spielten bereits ein Instrument, hatten Tanz- oder Gesangskenntnisse, für andere war das völlig neu. Nach den Kursen gab es ein tägliches Meeting der Dozenten mit Reflexion des Tages, Planung des nächsten Tages und Abstimmung der Workshops im Hinblick auf das Ziel einer gemeinsamen Abschlussperformance. 

Im Laufe der Woche entstand ein Tanztheaterstück mit Musik in vier Szenen. In dem Stück geht es um das Verstehen (Sprache, Kultur), Vertrauen, Ängste, um das sich gegenseitig Helfen und die Wünsche der Kinder und Jugendlichen für eine bessere Zukunft:

Priscilla: Ich wünsche mir, dass keine Menschen mehr auf der Straße leben müssen.

Lentje: Ich wünsche mir, dass es keinen Rassismus mehr gibt.

Yinderline: Ich wünsche mir, dass alle miteinander gut klar kommen.

Layanna: Ich wünsche mir, dass alle auf ihr Herz hören.

Walnise: Ich wünsche mir, dass nicht mehr so viele Tiere vom Aussterben bedroht sind.

Fatima: Ich liebe es, den anderen zu helfen.

Aynaz und Schakila: Wir wollen keine Gewalt.

Angelina: Ich wünsche mir, dass die Leute gut sind.

Avesta: Ich wünsche, dass mehr auf die Natur geachtet wird.

Romy: Ich wünsche mir, dass wir alle besser zu Umwelt sind.

Nour: Frieden auf der Welt

Die Musik wurde von der Band, dem Soundpainting-Orchester, einer Keyboard- und einer Per-
cussiongruppe gestaltet. Dazu kamen Videos und Klangkollagen, die der Workshop Multimedia erstellt hat, sowie ein persischer Rap, syrische Lieder mit Oud-Begleitung und ein Solo auf der Santur, einer iranischen Zither. 

Eine Woche später, am Samstag, den 23.3.2019, fand die Abschlusspräsentation im Miralles Saal der Staatlichen Jugendmusikschule statt. Wir haben die Veranstaltung als ein Fest der Kulturen gestaltet. Das Maracatu-Ensemble der Jugendmusikschule hat das Fest mit einem brasilianischen Umzug mit Trommeln und Tänzern, einem Königspaar mit Hofstaat und Gesängen auf dem Vorplatz eröffnet und das Publikum in den Saal geleitet. Dort fand die etwa 45minütige Aufführung des Stücks Planet Future statt. Es war sehr beeindruckend, was die Kinder und Jugendlichen in der Kurswoche erarbeitet haben und mit welcher Konzentration und Intensität sie den Auftritt gestaltet haben. 

Alle Beteiligten wünschen sich für die Zukunft weitere Ferienkurse!

Wir bedanken uns für die Förderung durch die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung, ohne die dieses Projekt so nicht möglich gewesen wäre.

Winfried Stegmann,

Pädagogischer Leiter